190 Millionen Arbeitstage im Jahr gehen in Europa durch Migräne verloren: das CRP-Santé präsentiert Zahlen und Ergebnisse
Kopfschmerzen und Migräne sind weit verbreitet, werden jedoch nicht ausreichend anerkannt, diagnostiziert und behandelt. Sie werden oft nicht beachtet und mit "damit muss man leben" abgetan. Für jene Personen aber, die darunter leiden, werden diese wiederkehrenden und lang andauernden Schmerzen zu einer reellen, manchmal täglichen Behinderung in ihrem Berufs-, Sozial-, und Familienleben, die sie mitunter ans Bett fesselt.
Im Mai 2007 hat das CRP-Santé eine europaweite und für die öffentliche Gesundheit enorm wichtige Studie über Kopfschmerzen gestartet, die nun Früchte trägt.
Anlässlich der Präsentation des WHO-Kopfschmerz-Weltatlas hat Frau Dr. Colette Andrée vom CRP-Santé die Resultate in Brüssel vor Mitgliedern des Europäischen Parlaments vorgestellt.
Welche Ergebnisse hat die Studie des CRP-Santé ergeben? Wie positioniert sich heute die WHO zur Frage von Migräne und Kopfschmerzen? Wie denkt man über dieses Problem öffentlicher Gesundheit in Luxemburg? Welche Verbesserungsvorschläge können in Anbetracht der Studie gemacht werden?
Die Eurolight-Studie wurde 2008 gestartet
Im Jahr 2008 wurden 6.500 Personen aus Luxemburg vom CRP-Santé eingeladen, an der Eurolight-Studie teilzunehmen - ein groß angelegtes europäisches Projekt, das die Auswirkungen von Kopfschmerzen und Migräne nicht nur in Luxemburg, sondern in mehreren europäischen Ländern untersucht.
Eurolight, eine Luxemburger Initiative, ist ein breit angelegteseuropäische Projekt, zur Einschätzung der Prävalenz dieser Krankheiten, ihrer Behandlung, der Lebensqualität der Patienten, begleitender Krankheiten und dersozioökonomischen Auswirkungen von wiederkehrenden Kopfschmerzen , die oft das Privat-, Sozial- und Berufsleben der Betroffenen negativ beeinflussen.
Europaweit haben nicht weniger als 16 Länder und 25 Institutionen diese großräumig angelegte Studie unterstützt.
Migräne kostet der Wirtschaft europaweit 155 Millionen Euro
Am 3. Mai 2011 hat das CRP-Santé einen ganz neuen Workshop mitorganisiert, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Brüssel anlässlich der Veröffentlichung des Kopfschmerz-Weltatlas koordiniert worden ist. Das CRP-Santé hat dort die ersten Ergebnisse der Eurolight-Studie präsentiert, die 2007 gestartet und nun beendet worden ist. Die Zahlen sprechen für sich:
- Frau Dr. Colette Andrée zufolge werden die jährlichen Kosten dieser neurologischen Beschwerden (Kopfschmerzen und Migräne) in Europa auf die beachtliche Summe von 155 Millionen Euro geschätzt.
- Der Ärzteschaft zufolge bedürfen Migräne und Kopfschmerzen spezifischer medizinischer Behandlungen.
- 47% der Erwachsenen leiden unter Kopfschmerzen oder Migräne.
- Kopfschmerzen sind die am weitesten verbreiteten Krankheiten des Gehirns.
- In jedem Moment leiden 1 Million Menschen in Europa an einer Migräneattacke.
- Einer von 10 Erwachsenen hat wiederkehrende oder ständig beeinträchtigende Kopfschmerzen.
- 190 Millionen Arbeitstage gehen in Europa jedes Jahr aufgrund von Migräne verloren.
- 80% der Migränepatienten leiden unter starken oder extrem starken Schmerzen.
- Während einer Migränekrise verschieben 90% der betroffenen Personen ihre täglichen Aufgaben. Dreiviertel von ihnen haben eine reduzierte Arbeitskapazität und müssen sich hinlegen, die Hälfte von ihnen ist komplett arbeitsunfähig.
- 400.000 Arbeits- und Schultage pro Million Einwohner gehen jährlich aufgrund von Migräne verloren. (Die Zahlen stammen aus den Ergebnissen der Eurolight-Studie, die vom CRP-Santé initiiert und geleitet wurde)
Ein wahrer Aktionsplan im Herzen Europas, durch den WHO-Workshop in Brüssel
Die vom CRP-Santé durchgeführte Studie hat nicht nur zu ganz neuen Ergebnissen in Luxemburg und in einem europäischen Netzwerk von 16 Ländern und 25 Institutionen geführt, sondern auch eine breite Debatte im Rahmen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführten Workshops in Brüssel ermöglicht.
Dieser hat ans Licht gebracht, dass Kopfschmerzen und Migräne die weltweit am weitesten verbreitete und leider am meisten vernachlässigte Gesundheitsproblematik darstellen. Migräne wird nicht nur angesichts ihrer großen Verbreitung unzulänglich behandelt, sondern verursacht auch beträchtliche wirtschaftliche Kosten für die Gesellschaft: jährlich werden annähernd 140 Milliarden Britische Pfund ausgegeben, um diesem Problem öffentlicher Gesundheit abzuhelfen. Die WHO hebt die Höhe des finanziellen Aufwands hervor und macht darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, dieses Problem anzugehen und bessere Behandlungen sowie Gesundheitsdienstleistungen zu schaffen und gleichzeitig die Einsicht zu fördern, welche Auswirkungen und Wichtigkeit diese Krankheit hat.
"Mindestens die Hälfte der Erwachsenen auf der Welt leidet an Kopfschmerzen oder Migräne," hebt die WHO hervor. Überdies zeigt die WHO im ersten "Atlas of Headache Disorders and Resources in the World 2011," dass Migräne und Kopfschmerzen zwischen der Hälfte und Dreiviertel der Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren betreffen.
Frau Dr. Colette Andrée vom CRP-Santé hebt weiters hervor: "In der Europäischen Union werden zusammengerechnet jedes Jahr 190 Millionen Tage aufgrund von Migräne und Kopfschmerzen verloren, da diese zur Arbeitsunfähigkeit der Patienten führen können." "Kopfschmerzen und Migräne werden weitgehend unterschätzt und nicht ausreichend von den Gesundheitssystemen erfasst und ziehen leider zu wenig Aufmerksamkeit, ja sogar Interesse, mit sich," präzisiert Dr. Shekhar Saxena, Leiter der WHO-Abteilung für psychische Gesundheit.
Der Workshop zum Thema Migräne und Kopfschmerzen in Brüssel hebt ebenfalls hervor, dass nur bei einer Minderheit der Betroffenen eine angemessene Diagnose gestellt wird.
Weltweit behandeln ca. 50% der Migränebetroffenen ihre Migräne selbst, ohne sich an einen Arzt zu wenden. Nur 10% suchen einen Neurologen auf, wobei die Zahlen in Afrika oder in den Ländern Südostasiens noch niedriger sind.
Die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation zu dieser Thematik unterstreicht nicht nur die bedeutenden Kosten von Migräne, sondern auch ihre Auswirkungen auf die Arbeit der betroffenen Personen, egal aus welchem Land sie kommen.
"Die medizinische Versorgung in diesem Bereich muss unbedingt verbessert werden," hebt die WHO hervor.
"Ausbildung der Akteure des Gesundheitswesens ist auf mehreren Ebenen nötig, um dieses Ziel zu erreichen. Die Ärzte müssen besser über Diagnose und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzen in Kenntnis sein."
"Die Verursachung indirekter Kosten sowie größere Investitionen in die Gesundheitsversorgung, nicht nur anhand einer besseren Strukturierung der Gesundheitsdienste, sondern auch durch Bildung- und Sensibilisierungsarbeit, stellen sicherlich eine passende Antwort auf ein derartiges wirtschaftliches Problem dar," lautet die Schlussfolgerung des Workshops in Brüssel.
Luxemburg ist sich der Problematik bewusst und entwickelt ein Ausbildungstool
Im Anschluss an die Eurolight-Studie in Luxemburg stehen die Direktion für Gesundheit und das CRP-Santé in einem stetigen Dialog, um die Bemühungen fortzusetzen, die im Bereich der Migräne- und Kopfschmerzproblematik bereits gestartet worden sind und in Zukunft vor allem bei der medizinischen Betreuung von Migränepatienten fortgeführt werden müssen.
Die weiteren Bestrebungen und die Weiterführung dieser Initiative führen zu einem neuen Projekt: Anfang Mai hat das CRP-Santé ein neues, für drei Jahre angelegtes Projekt gestartet, das vom Nationalen Forschungsfonds finanziert wird. Es wird von Frau Dr. Colette Andrée geleitet und in Zusammenarbeit mit der Universität Luxemburg durchgeführt. Das Projekt hat zum Ziel, das erste Ausbildungstool "Electronic - Educational, Training and Assessment Competence Center for Headache: E-TEACCH" zu entwickeln. Für die Entwicklung eines solchen elektronischen Ausbildungszentrums hat Frau Dr. Andrée wieder um die Unterstützung einer Vielzahl von wissenschaftlichen Organisationen, Patientenorganisationen und Partner von Eurolight angesucht, um die Patienten zu schulen sowie Ärzte und Apotheker bei ihrer Behandlungs- und Beratungsrolle zu unterstützen. Dies mit dem stetigen Ziel, die medizinische Versorgung, Behandlung und Lebensqualität der Patienten zu verbessern, die unter Kopfschmerzen oder Migräne leiden.